Können Surrealisten regieren?
Island in der Krise: eine zornige Gesellschaft und ein Freund und Feind verblüffendes Wahlresultat

«Eines unserer Hauptthemen war: Adoptieren Sie einen Obdachlosen! Die Menschen haben gesagt, das sei ein furchtbarer und unmenschlicher Witz – aber das war es nicht. Warum kümmert sich niemand um die Obdachlosen? Das ist ein Fehler des Systems. Nachdem wir das erklärt haben, haben die Menschen gemerkt, dass wir Ironie und Witz benutzt haben, um auf Probleme aufmerksam zu machen. Und das war unser Hauptziel.»
Abschiebende Wirkung
eingSCHENKt
Üblicherweise wird eine Schule für Kinder ohne Behinderung gebaut, und Kinder mit Behinderung werden dann in diese Schule integriert. „Bei uns ist es umgekehrt“, erzählt die Schuldirektorin Silvia Gehrmann. „Bei der Planung dieser Schule gingen wir von den Bedürfnissen von Kindern mit schwersten Behinderungen aus. Was architektonisch für Kinder mit schwersten Behinderungen notwendig ist, bietet auch für Kinder ohne Behinderung optimal...
"Jetzt geht uns die Luft aus"
Das Viertel boomt, aber der Ort des Aufbruchs kämpft ums Überleben. Amerlinghaus schlägt Alarm

Das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus ist der Rest beziehungsweise das Erbe der wilden 70er Jahre, als eine Besetzungsaktion ein Stadtviertel für das Baukapital interessant machte, das von der Stadt dem Verfallsprozess preisgegeben schien. Die Stadt aber schmückt sich mit den Federn des Spittelberg-Revitalisierung-Vorzeige-Modells und lässt das Kulturzentrum, für dessen Pionierrolle sie sich eigentlich bedanken müsste, sukzessive ver...
Personalabbau bedroht Medienpluralismus
Wenn Marjah eine Stadt ist, ist Grammatneusiedl New York

Wer einen Krieg im Zeichen der «Humanität» führt, muss zuerst den Kampf um die öffentliche Meinung gewinnen. Die Gewinnchancen sind groß, weil dem militärisch-politisch-industriellen Komplex die Gegen-Player in Form von unabhängigen Medien zunehmend abhanden kommen. Das Märchen von der Stadt Marjah im Süden Afghanistans sagt einiges aus über die reale Situation der Publizistik – auch der österreichischen.
Bücher geben und nehmen
Tauschkreislauf - vorerst in Notwehr:

Die Idee ist nicht neu, hat aber fast zwei Jahrzehnte gebraucht, um in Wien anzukommen. 1991 entwickelte das Künstlerduo Clegg & Guttmann in Graz das Konzept der „offenen Bibliothek“: An insgesamt drei Orten am Stadtrand wurden Container aufgestellt, um einen buchstäblich freien Tausch von Büchern zu ermöglichen. Die funktionierende „offene Bibliothek“ basiert auf einem sich selbst regulierenden Fluss von Geben und Nehmen: Nicht (...
Der Fall Abate Ambachev
Was befindet sich zwischen Naturhistorischem und Kunsthistorischem Museum? Wie heißen die Wohnungen, die von der Stadt Wien gebaut wurden und von Wiener Wohnen vermietet werden? Wo wohnte Erzherzogin Maria Theresia im Sommer? Wann wurde die zweite Türkenbelagerung abgewehrt? Was war eines der Ergebnisse des Wiener Kongresses 1814/15? Woran erkannt man UNO-Soldaten?
Und jetzt eine andere Frage: Spinnt das Innenministerium? Die zitierten Fragen s...
Schule, die allen nützt
eingSCHENKt
Bei gleichen Leistungen bekommen ärmere Kinder schlechtere Noten. Bei gleichen Noten treten ärmere Kinder seltener in die AHS über. Zwei aktuelle Ergebnisse aus dem Bundesinstitut für Bildungsforschung.
Bettina Kellner muss genau rechnen mit ihrem kleinen Einkommen und den drei Kindern. Schulanfang und Kosten sind immer ein Problem. Nachhilfestunden sind da ohnehin nicht mehr drin. Zu Hause ist es auch sehr eng in der kleinen Wohnung. „All...
Plätze frei im Roma-Berufsorientierungskurs!
Jung, hip, eloquent, frech und sympathisch - aber ziemlich chancenlos
Eine wahre Geschichte über Lubo. Lubo ist jung, sympathisch und hip. Er kann sämtliche englischen Rap-Texte zitieren, ohne ein Wort davon zu verstehen. Er hat freien Eintritt in alle Hip-Hop-Club Wiens – und er ist arbeitslos. Doch warum fällt es einem so eloquenten und frechen jungen Menschen so schwer, eine Arbeit zu finden? Lubo hat den Hauptschulabschluss nicht geschafft. Er kommt aus einer Roma-Großfamilie. Der Vater verabschiedete sic...
Die akademische Gruft
Kein Obdachloser muss im Audimax schlafen. Es gibt genug Alternativen, sagt Wehsely

Manche GegnerInnen des Uni-Aufstandes rieben sich schon die Hände. An der «Flut» der Obdachlosen im besetzten Audimax werde die Studierendenbewegung scheitern. Diese plant jedoch gemeinsame Weihnachts- und Silvesterfeiern in der freien Republik Audimax – und erreichte durch ein überlegtes Sichtbarmachen des Andrangs der Armen, dass der Ausschluss der AusländerInnen aus der offiziellen Wohnungslosenhilfe erstmals breit thematisiert wird.
Die Leitfigur ist unerwünscht
Das Audimax als Schule der langsamen Basisdemokratie

Wo es ein Oben und ein Unten gibt, kommt man schnell zu Entscheidungen. Wo diese Kategorien fehlen, muss zuweilen lange debattiert werden, bis man zu einem Konsens kommt. Das ist leider die Crux der Basisdemokratie. Aber ein sympathische …
"Wie Exoten"
Lokalmatadorin Nr. 214

Ulrike Kramer studiert die Sprachnuancen, die anzeigen, dass der Wiener kein Deutscher ist. „Lokalmatadore“ nennt sich auch der Sammelband dieser Porträt-Serie – erhältlich bei gut sortierten Augustin-VerkäuferInnen sowie im Buchhandel.
Warum wir auf die Strasse gehen
Über einen weiteren Versuch, "positiven Boulevardjournalismus" zu betreiben
Zum «Morgen», der Wochenzeitung der AudimaxistInnen, wie sich die BesetzerInnen des Audimax der Wiener Universität augenzwinkernd nennen, muss man den ZeitungsmacherInnen gratulieren. Der Verzicht auf akademisch-intellektuellen Schreibstil macht es möglich, das Anliegen der «Schlafsack-Revolution» auch der nichtstudentischen Bevölkerung zu erklären. Also neben dem Augustin noch eine Zeitung mit dem Anspruch, «positiven Boulevardjournali...
Welche Geste gilt?
Über die Schwierigkeiten, die Gebärdensprache zu vereinheitlichen
Können Menschen mit Gebärdensprache einander verstehen, wo immer sie leben auf diesem Planeten? «Ein Drittel der Gebärden sind international leicht verständlich. Ein Drittel kann man aus dem Zusammenhang heraus verstehen. Und das letzte Drittel ist regionaltypisch, darunter besonders die Zeichen für abstrakte Begriffe wie Glück», sagt Monika Haider, die Leiterin des Wiener Gebärdensprache-Schulungszentrums equalizent. Selbst innerhalb d...
Nur für die Leser
Lokalmatadorin Nr. 210
Maria Hirsch arbeitet seit bald vier Dezennien
in der städtischen Bücherei in der Zirkusgasse.
Direktor wider Willen
Heribert Hrusa: vom Handschuhmacher aus Wien zum Volksbildner in Ecuador
Fast hätte Diakon Heribert Hrusa nach nur einem Jahr Missionarsdienst in Ecuador das Handtuch geschmissen. 20 Jahre später lebt er immer noch im Andenstaat. Inzwischen ist er Leiter einer Vorzeigeschule und kann sich eine Heimkehr nach Österreich kaum noch vorstellen.
Sechste Armutskonferenz zeigt auf: Armut ist vermeidbar
Mythen blockieren Herz und Hirn
Solange ökonomische Mythen wie "Jeder kann gewinnen, wenn er nur will", "Sozial ist nur, was Arbeit schafft" oder „"Soziales schadet der Wirtschaft"“ nicht vom Tisch sind, wird es zur keiner Verbesserung der Lebenssituation sozial Benachteiligter kommen. Auf der 6. Armutskonferenz stellten sich die fast 500 TeilnehmerInnen die Aufgabe, all die ökonomischen Märchen, die Menschen arm machen, zu entzaubern.
Über die hilflosen Konzepte der "Weiterbildung für Arbeitslose"
Schulung, eine Schimäre
Während arbeitslosen AkademikerInnen bei der Jobsuche ihre "Überqualifikation" zum Verhängnis wird, schwören die staatstragenden Kräfte inklusive Arbeiterkammer und Van der Bellen auf die "Weiterbildung" als Schlüssel für das Tor zurück ins Berufsleben. Die Pädagogin und Autorin Maria Wölflingseder versucht im Folgenden die These zu begründen, dass AMS-Schulungen und VHS-Erwachsenenbildung Illusionsveranstaltungen sind.
Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" weitete sich aus
Brot für alle, Spiel für alle
Die Aktion „"Hunger auf Kunst und Kultur"“ ist eine Kooperation der österreichischen „Armutskonferenz“ mit diversen VeranstalterInnen im kulturellen Bereich. Sie ermöglicht sozial Schwachen einen Gratiszugang zu Theater, Musik, Film oder Museum. Wenn der Staat seiner Pflicht nachkäme und sich darum kümmern würde, dass nicht immer mehr Menschen „draußen aus dem Spiel“ bleiben, würde sich die Aktion erübrigen ...
"Schule ohne Angst": 25 Jahre SchülerInnenschule im WUK
Bis zur Achten ohne Noten
So menschlich könnte Schule sein: Im WUK, dem Werkstätten- und Kulturhaus in der Währinger Straße, haben die Grundprinzipien der alternativen Schule überlebt. Der Augustin besuchte die außergewöhnliche Einrichtung und fand: Respekt zwischen SchülerInnen und LehrerInnen scheint in dieser Schule keine hohle Phrase zu sein. Und die Lust am Lernen scheint hier nicht verloren zu gehen.
Ein Leben für die Beladenen dieser Welt – Evamarie Kallir
"Hab´ menschliche Monokulturen nie gemocht"
Sie hätte die „Galerie nächst St. Stephan“ übernehmen sollen. Stattdessen engagierte sie sich für die SOS-Kinderdörfer und für das Wiener „Regenbogenhaus“ und gibt Flüchtlingen Deutsch-Unterricht. Ein Gespräch mit Evamarie Kallir, die 1938 als 12-jähriges Mädchen nach Amerika flüchten musste, über ihre Rückkehr, über „fließende Grenzen“ und die Verweigerung des Materiellen.
Zwei Frauen und die Kunst des Denkens
Philosophie, buchstäblich
Als klassische Tradition männlichen Denkens wurde der guten, alten Philosophie Jahrhunderte lang gefrönt. Gemeinhin warf man mit –– für Laien –– rätselhaften Fachbegriffen um sich und kredenzte lebensferne Lehrgebäude. Eine elitäre Tätigkeit, der heute beinahe ausschließlich an Universitäten nachgegangen wird und also nur wenigen Verwegenen bis Hochverehrten vorenthalten ist. Mit ihrer Philosophischen Werkstatt und Ateliergalerie Â...